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ERSTE HILFE - MERKBLATT

Erste Hilfe = Primärversorgung durch Tierbesitzer oder Hilfsperson

Bei Bagatellunfällen möglicherweise die einzige nötige Behandlung, in schweren Fällen unerlässliche Hilfe zum Ueberleben!

Vorsicht: 1. Hilfe immer so bringen, dass keine Unfall- oder Verletzungsgefahr für Hilfeleistende besteht


-Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr, um ein verletztes Tier vom der Strasse zu bergen.
- Verletzte Tiere haben Schmerzen. Sie wehren sich möglicherweise mit Beissen und Kratzen gegen die wohlgemeinte Hilfe. Beobachten Sie aufmerksam die Reaktionen des Tieres. Schützen Sie sich davor, verletzt zu werden.
-Besser 1 x zu früh als 1 x zu spät zum Tierarzt!

Inhaltsverzeichnis
Erste Hilfe bei Bagatellunfällen
Erste Hilfe bei Kreislaufkollaps, Hitzestau
Erste Hilfe bei Unfällen
Erste Hilfe bei Verdauungsproblemen
Medikamente zur ersten Hilfe


Erste Hilfe bei Bagatellunfällen [zurück zum Anfang]

Blutende Wunden von
-Beissereien
-Schnittverletzungen
-ausgerissenen Krallen
-Verletzungen in der Maulhöhle
Blutstillung durch-Kompression (bei kleinen Wunden, besonders an den Ohren)
-satten Verband
TIP: Schnittverletzungen an Ballen bluten meist sehr stark. Belastung drückt die Wunde auseinander, sie heilen dadurch sehr schlecht. Ballenverletzungen müssen meist genäht werden
TIP: mit elastischen Gazebinden sind Verbände wesentlich einfacher anzulegen. Ein "Robidog"- Beutel in den Verband eingebunden schützt Ihre Kleider und Ihr Auto vor hartnäckigen Blutflecken!
Wundbehandlung-Wunden desinfizieren mit Betadine oder Wasserstoffperoxyd
-Schürfwunden mit Wundsalbe abdecken, offen lassen
-tiefe und grössere Wunden nach Desinfektion und Wundsalbe mit Verband abdecken, um vor Verschmutzung zu schützen
TIP: der Speichel des Tieres ist nicht steril. Lecken der Wunde steigert die Infektionsgefahr. Unbedingt lecken verhindern.
Verbände-Wunden wenn möglich abdecken mit nicht klebenden Plätzchen
-Zehen möglichst in Verband nehmen
TIP: Verbände, besonders Druck- und Stützverbände, die oberhalb der Zehen aufhören, führen zu Blutstauung in den Zehen und damit sehr schnell zu bedrohlicher Schwellung. Zehen immer in Verband einpacken.

Verletzungen in der Maulhöhle
entstehen meist beim Spielen mit Holzstücken
- Holzsplitter nach Möglichkeit entfernen (oft oben zwischen Backenzähnen eingeklemmt). Nicht beissen lassen!

TIP: beim Entfernen der Holzstücke bleibt meist Dreck in der Wunde zurück. Kontrolle beim Tierarzt und eventuell Wundnaht sind meist nötig.

Verstauchungen
plötzlich auftretende Lahmheiten, meist beim Rennen, deuten auf ein "Uebertreten oder eine Verstauchung" hin. Die Schmerzen treten auf durch Ueberdehnung oder Zerreissen von Gelenksbändern.
- gepolsterte Stützverbände

TIP: Stützverbände können nur an unteren Gelenken (Zehen, Handgelenk, Sprunggelenk) angebracht werden. Gute Polsterung mit Watte ist wichtig.

Insektenstiche
Insektenstiche lösen sehr unterschiedliche, individuelle Reaktionen aus. Einige Tiere reagieren gar nicht, andere werden stark geschwollen an Beinen und Kopf (Nilpferdkopf), möglicherweise entstehen Borbeln am ganzen Körper (Nesselfieber), oft tritt auch Erbrechen und Durchfall auf. Weitere Erscheinungen sind Unruhe, Zittern, Speicheln und Fieber. Atemwegsbehindrungen sind selten!

TIP: geschwollene Stellen abkühlen mit kaltem Wasser, Essigwasser oder Essigsaurer Tonerde. Kompressen auflegen oder waschen. Schwellungen gehen oft rasch zurück. Sollten die Schwellungen oder andere Symptome trotzdem zunehmen, muss der Tierarzt aufgesucht werden.


Erste Hilfe bei Kreislaufkollaps, Hitzestau [zurück zum Anfang]

Besonders kurzköpfige Rassen (Boxer, Bulldoggen, Pekinesen, u.s.w.) neigen im Sommer zu Ueberhitzung, Hitzestau und dadurch zu Kreislaufkollaps. Sofortige Hilfe ist nötig:
-Atemwege freilegen durch Oeffnen des Fangs, Zunge rausziehen
-Abkühlen, nasse Tücher auf Kopf, Rücken und Beine legen
-wenn möglich den Tierarzt aufsuchen, Kreislauf mit Spritzenstabilisieren lassen

TIP: Hunde nicht im Auto warten lassen Anstrengungen im offenen Gelände vermeiden (evtl. auch Hundesport) grössere Spaziergänge auf den Morgen und Abend legen


Erste Hilfe bei Unfällen [zurück zum Anfang]

Tiere die angefahren und weggeschleudert wurden haben meist
- Prellungen, Quetschungen, Wunden, Knochenbrüche

TIP: genaues Beobachten ist wichtig. Prellungen und Quetschungen schmerzen, heilen aber mit kalten Kompressen meist schnell. Wunden müssen normalerweise durch den Tierarzt vom Strassendreck gereinigt und genäht werden. Diese Behandlung erfordert eine Narkose des Tieres.
Knochenbrüche gehören unverzüglich zum Spezialisten

Tiere die überfahren wurden haben häufig
-innere Verletzungen, innere Blutungen sind zu befürchten bei starker Apathie des Tieres, kalten Gliedmassen und blassen Schleimhäuten
-Bänderrisse
-Becken-, Wirbel- und Rippenfrakturen
-Schockgefahr!

TIP: nach Möglichkeit Atemwege freilegen, Blut und eventuell Erbrochenes aus dem Fang entfernen, Zunge rausziehen. Vorsicht bei Kieferbrüchen.

das verletzte Tier vorsichtig über den Rücken auf eine danebenliegende Decke drehen und in der Decke transportieren.


Ueberfahrene Tiere sollten immer zum Tierarzt zur Untersuchung und zur Beobachtung gebracht werden. Bei inneren Verletzungen (z.B. Milzriss, Leberriss, Zwerchfellriss) ist oft ein schnelles chirurgisches Vorgehen eines geübten Chirurgen lebensrettend.

Erste Hilfe bei Verdauungsproblemen [zurück zum Anfang]

Verdauungsstörungen sind sehr häufig. Sie werden ausgelöst durch Infektionen, Parasiten, Futterunverträglichkeit, nervöse Störungen u.s.w. Sehr häufiges Erbrechen verbunden mit wässerigem oder gar blutigem Durchfall führen zu grossem Flüssigkeitsverlust. Tierärztliche Behandlung ist nötig.
-24 Stunden fasten
-kleine Mengen Kamillentee oder Schwarztee zu trinken geben
-nach 24 Stunden, Diät mit Hüttenkäse


TIP: meist zeigen die Tiere mit Erbrechen grossen Durst. Wasser wird aber meist sofort wieder erbrochen, der Zustand verschlechtert sich


Vergiftungen
Vergiftungen sind weniger häufig als man glaubt. Bei Verdacht auf Vergiftung muss schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden.
-was hat das Tier gefressen?
-wieviel, wann?


TIP: Keine Milch geben. Milch fördert die Giftresorption aus dem Darm. Nach Möglichkeit Packung des gefressenen Giftstoffes zum Tierarzt mitbringen.


Medikamente zur ersten Hilfe [zurück zum Anfang]

bei Wunden-Desinfektionsmittel (Betadine, Merfen, Wasserstoffperoxyd)
-Wundsalben (Cicatrex, Chloramphenicol, u.s.w.)
-Wundpuder (nur resorbierbare Wundpuder verwenden)

bei Durchfall-Diarstoptabletten
-Bismutal
-Immodium (bei grossen Hunden ab ca. 10 kg Körpergewicht)

bei Erbrechen-Ranitidin
-Paspertin
-Torecan

bei Schmerzen-Novalgintabletten oder Tropfen
-Ponstan
-Aspégic

für Verbände-elastische Gazebinden
-synthetische Watte (Rolta)
-nicht klebende Wundkompressen


mit freundlicher Genehmigung von:
Animal Health Center
Dr.med.vet. Rudolf Tschäppät
Kleintierpraxis mit SVK-Zertifikat
Hauptstrasse 90, 4102 Binningen
Tel. +41 61 421 66 22 / Fax +41 61 421 66 21

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